Dänemark ist anders

16.12.2013

Wissenwertes über Handel und Kulturunterschiede in 10 Lektionen  (Teil 3/5)

4. Steuern

Die Systematik und Gestaltung der steuerlichen Belastung weicht erheblich vom deutschen Standard ab.

 

Personensteuern

Die persönliche Steuerbelastung in Dänemark ist hoch. Es bestehen nur außerordentlich geringe Freibeträge. Schon ab einem Jahreseinkommen von 390.000 DKK (Wert für 2011), also umgerechnet ca. 52.400 Euro, ist der Spitzensteuersatz ("Topskat") von (abhängig von der Höhe des kommunalen Steuersatzes) 59,6% fällig. Der Splittingvorteil ist in Dänemark unbekannt. Eheleute werden jeder für sich nach dem jeweiligen Einkommen besteuert. Ein Lichtblick ist jedoch, daß 50% der Zinsaufwendungen für Darlehen jeder Art (also auch Privatdarlehen) steuerlich abgesetzt werden können.

 

Der auf den ersten Blick extrem hohe Steuersatz relativiert sich allerdings dadurch, daß in diesem Betrag sowohl Krankenversicherung wie auch Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung enthalten sind. Vergleicht man also ein dänisches Durchschnittseinkommen mit einem deutschen Durchschnittseinkommen, bei dem ehrlicherweise die hälftige Sozialversicherung, die der Arbeitgeber trägt, hinzugerechnet werden, ist der Unterschied nicht mehr so prägnant. Die Auffassung vieler Dänen, zusammen mit den Schweden der höchsten Steuerbelastung der Welt ausgesetzt zu sein, ist nicht ganz zutreffend. Eine Ausnahme von der hohen Einkommensteuer gibt es für ausländische hochqualifizierte Arbeitnehmer, die vorübergehend in Dänemark tätig sind: Wenn es nicht mehr als 3 Jahre sind, bezahlen sie nur eine pauschale Einkommensteuer und Sozialabgaben von insgesamt 33%, können aber umgekehrt keine weiteren Abzüge geltend machen.

 

Körperschaftsteuer

So hoch die Steuerbelastung der natürlichen Personen ist, so niedrig ist die Körperschaftsteuer, die bei 30 % liegt.

 

Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer in Dänemark beträgt 25 %. Allein aufgrund dieses Satzes ist das generelle Preisniveau in Dänemark in vielen Bereichen deutlich höher als in Deutschland. Daneben gibt es einige Regelungen, die die wirtschaftliche Gesamtbelastung weiter erhöhen, wie zum Beispiele das Verbot, Umsatzsteuer auf Fahrzeuge oder Benzin als Vorsteuer geltend machen zu können.

 

Fahrzeugsteuer

Insgesamt ist Dänemark ein eher fahrzeug-unfreundliches Land; es mag sein, das dies darauf zurückzuführen ist, daß das Land keine eigene Autoproduktion besitzt und Autos deshalb als Luxus angesehen werden. Extrem ist die Steuerbelastung nämlich im Bereich der Personenfahrzeuge: Hier wird auf den Netto-Preis des Herstellers eine 180 %ige (!) sogenannte Gewichtsabgabe gezahlt (die mit dem Gewicht nichts zu tun hat), bevor 25 % Umsatzsteuer hinzugerechnet werden. Fahrzeugpreise liegen daher in Dänemark im Bereich des Dreifachen dessen, was vergleichbare Fahrzeuge hierzulande kosten. Diese Steuerbelastung wird flankiert von dem Verbot für alle in Dänemark ansässigen Personen, ein nicht in Dänemark zugelassenes Fahrzeug zu führen, mit Ausnahme von ausländischen Mietfahrzeugen für die Dauer von maximal 24 Stunden. Im Falle eines Verstoßes wird die oben genannte Abgabe sofort fällig, das Fahrzeug wird eingezogen bis zur Zahlung der Abgabe. Das Resultat ist nicht weiter verwunderlich: Das Durchschnittsalter der dänischen Fahrzeuge ist höher als in sämtlichen anderen europäischen Ländern. Daneben werden durchweg billigere Fahrzeuge gefahren, und die Fahrzeugdichte in Dänemark ist abgesehen von Kopenhagen – für jeden ausländischen Besucher und Benutzer der dänischen Straßen erfreulich – etwas niedriger als in Deutschland. Um überhaupt Fahrzeuge in Dänemark absetzen zu können, haben sich die Fahrzeughersteller in der Vergangenheit genötigt gesehen, Fahrzeuge in Dänemark zu besonders niedrigen Nettopreisen anzubieten. Dies wiederum hat zu Re-Importen von Fahrzeugen in andere europäische Staaten geführt, die die Hersteller ohne Erfolg unterbinden wollten. Die Folge ist jetzt, daß jetzt auch in Dänemark das Nettopreisniveau auf der Höhe der umliegenden Länder angepasst wird.

 

Einzige Ausnahme von der Zusatzbesteuerung sind Fahrzeuge zum gewerblichen Gebrauch, mit denen höchstens zwei Personen befördert werden dürfen; für diese entfällt die Zusatzabgabe. Zur Kennzeichnung erhalten diese Fahrzeuge gelbe Nummernschilder (statt der üblichen weißen). Und es gibt auch Zwitter, nämlich gelb-weiße Schilder für Fahrzeughalter, die ihre Autos sowohl privat wie auch beruflich nutzen (umgangssprachliche Papageien-Schilder genannt).